3000 Euro Schmerzensgeld für Kindsmörder Gäfgen: Summum ius, summa iniuria.

Frei übersetzt bedeutet dies: Das Gesetz wurde buchstabengetreu befolgt, das Ergebnis ist das größtmögliche Unrecht. Juristen drücken das auf Deutsch gerne so aus: Vor Gericht bekommen du immer ein Urteil, aber nicht unbedingt Gerechtigkeit. Ab heute wird es doch dem Dümmsten klar sein, bei uns wird eben kein Recht gesprochen, sondern nur Urteile werden gemacht. Hier noch mal kurz die schrecklichen Geschehnisse von damals aus „Welt.de“:
„Gäfgen hatte 2002 den Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Die Polizei hatte mit ihrer Drohung im Verhör den von Gäfgen entführten Bankierssohn retten wollen. Die Leiche des Kindes war wenig später aus einem Tümpel geborgen worden. Seine Schmerzensgeldforderung begründet Gäfgen mit psychischen Spätfolgen, unter denen er wegen der Folterdrohungen leide. Ein Gutachter hatte aber nicht eindeutig sagen können, ob Gäfgens Probleme vor allem darin wurzeln. Immerhin sei seine Lebenslüge zusammengebrochen, die Lebensperspektive zerstört und er habe den Tod seines elf Jahre alten Opfers miterlebt.“
Da ist mir Gottes Gerechtigkeit lieber.
Jeder Mensch verlangt nach Gerechtigkeit, und besonders Kinder haben ein feines Gefühl dafür, was gerecht ist und was nicht: Sie protestieren lautstark, wenn sie meinen, dass sie ungerecht behandelt werden. Was aber Gerechtigkeit ist, dafür gibt es Erklärungen wie Sand am Meer: Philosophen, Dichter, Denker, Wirtschaftsweise, Juristen, Ethikkommissionen, Soziologen, Psychologen und Politiker streiten sich über den richtigen Weg zur Gerechtigkeit. Liberale meinen, Gerechtigkeit komme dadurch, wenn man dem Markt und den Menschen das freie Spiel der Kräfte ermöglicht. Sozialisten und Kommunisten definieren Gerechtigkeit als etwas, dass mehr oder weniger revolutionär zu erreichen sei, und Konservative sehen Gerechtigkeit darin, dass überkommene Ordnungen und Traditionen erhalten werden. Reaktionäre Kräfte wollen längst vergangene Zeiten wiederherstellen.
Im Namen der Gerechtigkeit ließen Lenin und Stalin ungezählte Menschen verhungern und politische Gegner umbringen. Im Namen der Gerechtigkeit führten Hitler und seine Schergen einen Völkermord an Juden, Sinti, Roma und vielen anderen durch und sahen in Behinderten lebensunwertes Leben, das es im Namen der Gerechtigkeit zu vernichten galt.
Um Gerechtigkeit herzustellen, wurden Kriege geführt und Revolutionen gemacht. Die alten Römer waren davon überzeugt, ausschließlich gerechte Kriege zu führen; die Europäer sahen ihre Kolonialisierung und die Versklavung der Schwarzen als eine gerechte Sache an: Die Afrikaner sahen und sehen das verständlicherweise anders. König Ludwig XVI und Marie Antoniette sahen in ihrer Regentschaft eine Monarchie von Gottes Gnaden, doch das hungernde Volk empfand Armut und Unterdrückung als ungerecht, was letztendlich die Französische Revolution auslöste, die wiederum im Namen der Gerechtigkeit ihre Kinder fraß. Zar Niklous II von Russland war überzeugt davon, gerecht zur regieren, doch Lenin und die Revolutionäre sahen es wiederum anders. Während des Kalten Krieges waren sowohl der Ostblock von der Gerechtigkeit des real existierenden Sozialismus auf seinem Weg zum Kommunismus als auch der kapitalistische Westen mit der sozialen oder liberalen Marktwirtschaft überzeugt. Der Schah von Persien sah sich als gerecht an, und das Mullahregime, das ihm folgte, ist der Ansicht, die Gerechtigkeit erst durch die Errichtung eines islamischen Gottesstaates aufgebaut zu haben.
Menschliche Gerechtigkeit ist in ihren Ansichten und je nach Kultur und Religion unterschiedlich und austauschbar, doch in einem sind die Menschen sich alle einig: Wirkliche Gerechtigkeit gibt es trotz aller Bemühungen, trotz aller Konferenzen, trotz unterschiedlicher Konzepte und aller möglichen und unmöglichen Versuche nicht.
Wie gut, dass wir einen vollkommenen, allwissenden und heiligen Gott haben, der am Ende der Zeiten eingreifen und Gerechtigkeit herstellen wird. Ich freue mich, einmal in Seinem Königreich leben zu dürfen, in Seiner Gerechtigkeit, die keine Wünsche offen lässt.

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