Keine öffentliche Trauerfeier für Dirk Bach. Warum wohl?

„Eine öffentliche Trauerfeier für den TV-Star sei nicht geplant, sagte der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. „Anstelle jeder öffentlichen Trauerfeier möchten wir allen Wegbegleitern, Kollegen und Freunden die Gelegenheit geben, sich in Form einer persönlichen Kondolenzbekundung von ihm zu verabschieden“, ließen die nächsten Angehörigen über das Bestattungshaus mitteilen. Auch Fans könnten sich dabei von Bach verabschieden, sagte Kuckelkorn.“ www.merkur-online.de/nach…er-dirk-bach-2530724.html

Hier zeigt sich mal wieder,eine atheistische Gesellschaft ist nicht wirklich die bessere? Sie hat keine Antwort auf das Sterben und auf Leid. Es gibt keinen Trost. Weil es nichts gibt. Bedeutet Atheismus eine Verbesserung der Lebensqualität und der Zukunftsaussichten der Menschheit? Hier melden sich heftige Zweifel. Jürgen Habermas, der vielleicht wichtigste Denker der Gegenwart, eine Ikone atheistischer
Philosophie, gibt in seiner Diskussion mit Joseph Ratzinger, damals noch Kardinal, zu bedenken, „dass einer zerknirschten Moderne nur noch die religiöse Ausrichtung auf einen transzendenten Bezugspunkt aus der Sackgasse verhelfen kann“. Das kann man auch einfacher ausdrücken: Die Moderne hat sich in Illusionen verrannt. Der Ausweg ist der Glaube an Gott. Was Habermas hier einräumt, gleicht für nicht wenige einem Verrat am gottfreien Denken. Aber genau das führte uns in die Sackgasse. Eine Gesellschaft ohne Gott verlässt den Boden, auf dem Werte gedeihen können. Wo sollen denn die Werte herkommen, ohne die eine Gesellschaft zu Grunde geht, weil sie keine gemeinsamen Ideale für das Zusammenleben der Menschen mehr entwickeln kann? Von der Wirtschaft? Vom Staat? Von der Philosophie? Die Zukunftsfähigkeit unserer abendländischen Kultur hängt entscheidend davon ab, inwiefern sie eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des christlichen Glaubens mit seinen Kraftquellen, seiner Spiritualität, seinem Humanismus, seinen Werten und Tugenden vollzieht.
Der Atheismus bekennt sich zum abendländischen Humanismus. Aber der ist ohne seine christlichen Wurzeln, ohne den barmherzigen Samariter als Modell für Nächstenliebe, ohne die Zehn Gebote, ohne die Bergpredigt überhaupt nicht denkbar. Trennt man ihn von seinen Wurzeln, dann verliert er seine Lebendigkeit und seine Potenz. Beraubt man ihn seiner transzendenten Quellen, dann verkommt er zum Utilitarismus, zum bloßen Nützlichkeitsdenken und zum Hedonismus, der Genuss zum obersten Prinzip erhebt. Das Tun des Guten hat keinen dem Menschen vorgegebenen Sinn mehr. Es ist nicht mehr gut, weil es Teil eines Sinnkosmos ist. Es ist nur noch gut, weil es dem Menschen irgendwie nützlich ist und Genuss verschafft. Das Ende von „good life“ ist meistens auch das Ende von „good will.“ Es gibt keine wirkliche Richtschnur mehr für gut und böse. In grauenvoller Einsamkeit gibt sich der Mensch sein eigenes Gesetz. Das war das Lebensthema des genialen atheistischen Vordenkers Friedrich Nietzsche. Gibt es keinen Gott, dann gibt es letztlich keine Moral. Der Mensch vergötzt sich selbst. Was ihn treibt, ist der durch kein Sittengesetz mehr domestizierte Wille zur Macht und zum Genuss. Diese Selbstvergötzung des Menschen hat in der Geschichte dort, wo Gott abgeschafft wurde, schreckliche Konsequenzen gezeitigt: Die Vergötzung von Rasse, Blut, Boden und Nation durch die Nationalsozialisten, der neue sozialistische Mensch eines Maos, Lenins, Stalins und Polpots. Millionen von Menschen mussten sterben, weil der Mensch Gott absetzte und eine Ideologie inthronisierte, die den Menschen ohne seinen transzendenten Bezug definierte. Den Vätern des Grundgesetzes war der Bezug auf Gott in der Präambel von größter Wichtigkeit: „In Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Die Erwähnung Gottes ist keine religiöse Dekoration, sondern Gott ist der Garant der unantastbaren Würde des Menschen. Wir haben in unserer Geschichte schmerzlich erfahren, dass die Würde des Menschen fürchterlich antastbar wird, wenn der Mensch seine Würde durch Rasse und Nation definiert. Es gibt keine radikalere Begründung der Gleichheit jedes Menschen als der christlich-jüdische Gedanke der Geschöpflichkeit und Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Wenn der Mensch Gott abschafft, dann besteht die Gefahr, dass der Mensch auch den Menschen abschafft. Wenn wir die Würde und den Wert des Menschen abhängig machen von Rasse, Nation, Herkunft, Einstellung oder Nützlichkeit für das Gemeinwohl oder die neue kommunistische Gesellschaft, dann sind die Tore weit dafür geöffnet, dass ganzen Gruppen von Menschen oder gar Völkern das Recht zum Leben abgesprochen wird. Die Nazis sprachen von „lebensunwertem“ Leben. Ein Begriff, der Gott ins Angesicht schlägt. Es rächt sich fürchterlich, wenn wir die Existenz des Menschen von einem Schöpfergott abschneiden. Der Mensch wird beliebig manipulierbar, weil er jeden Maßstab für Gut und Böse verloren hat. Der Nationalsozialismus mit seinem kruden Sozialdarwinismus, in dem der Starke den Schwachen frisst, der Kommunismus mit seiner Klassenfeindtheorie, in der die Feinde der neuen Gesellschaftsordnung liquidiert werden, sie haben eins gemeinsam: Der Mensch ist kein Geschöpf Gottes mehr. Es ist leichter, Zufallsprodukte einer mechanistischen Evolution umzubringen als von Gott geliebte Geschöpfe. Man muss schon einen gründlich verstellten Zugang zur Wirklichkeit haben, wenn man übersieht, dass die Beseitigung Gottes mehr Elend und Leid über diese Welt gebracht haben als alle Religionen zusammen.
Nicht nur Kirchenleute warnen vor den Folgen einer glaubenslosen Gesellschaft. Selbst ein Sozialist wie Gregor Gysi wird bei der Aussicht auf eine gottlose Gesellschaft von Grauen gepackt. In einem Gespräch mit Johannes B. Kerner sagte er: „Eine gottlose Gesellschaft das heißt eine Gesellschaft ohne jede Orientierung, eine Gesellschaft des reinen Pragmatismus, wo man heute das denkt und morgen jenes denkt und überhaupt keine moralisch einigermaßen verbindlichen Maßstäbe mehr hätte.“ Dem Atheisten graut es vor der Gottlosigkeit und ihren Folgen.
Den Atheismus ist keine gute Nachrich für uns. Mir graut es vor dem autonomen Menschen, der sich selbst und den Abgründen, die sich in jedem auftun, ausgeliefert ist. Wenn ich diese Bedenken mit meinen atheistischen Freunden teile, geben sie mir recht. Sie sagen: „Eigentlich macht uns eine Welt ohne Gott, die steuerlos auf eine ungewisse Zukunft zurast, Angst. Es wäre schön, wenn du recht hättest mit deinem Gott und deinem Glauben. Es wäre schön, wenn es einen Gott gebe, der alles in der Hand hält und durch den ganz am Ende eben doch alles gut wird.“ Und dann bedauern sie, dass sie leider nicht glauben können.
Ohne Gott gibt es keine sinnvolle Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich habe viel mit jungen Menschen zu tun und merke, wie viele die Frage „Wofür ich lebe ich eigentlich?“ und „Was ist der Sinn meines Lebens?“ umtreibt. Die gängigen Antworten, dass der Sinn des Lebens in der Weitergabe von Leben besteht, genügt nur Flachdenkern. Wie kann die Weitergabe von etwas, dessen Sinn nicht geklärt ist, sinnvoll sein? Die andere populäre Ansicht, dass der Sinn des Lebens im Genuss besteht, ist noch öder. Was ist mit den Millionen von Menschen, denen echter Lebensgenuss versagt bleibt, weil sie entweder krank, behindert oder ausgebeutet sind? Ist deren Leben sinnlos? Was ist mit dem alten Menschen, der im Altersheim liegt und nur noch sein Sterben vor sich hat? Ist sein Leben sinnlos? Der atheistische Glaube hat keinen sinnvollen Beitrag zu den Themen Leid und Tod. Es gibt Menschen, welche die Absurdität des Lebens ganz gut verdrängen oder philosophisch al la Jean-Paul Sartre veredeln. Und es gibt Menschen, die daran zerbrechen. Vor einigen Jahren bat mich eine alte Dame um ein Gespräch. Ihre 14-jährige Enkeltochter war aus dem Fenster gesprungen. Gott sei Dank konnte sie gerettet werden. Auf ihren Schreibtisch fand man einen Abschiedsbrief. Darin standen die Worte: „Ich sehe keinen Sinn im Leben“.
Der atheistische Philosoph Michel Onfray antwortet in einem Interview auf die Frage nach dem Woher und Wohin menschlichen Lebens: „Vom Urknall über die Evolution bis heute wirkte eine Art Mechanik materialistischer Kausalität. Und wohin gehen wir? In Richtung unseres Verschwindens. Die „Kritik der reinen Vernunft“, Beethovens Fünfte – nichts wird bleiben.“ Das säkulare Weltbild macht den Menschen zu einem Wanderer ohne Ziel. Sein Leben ist eine Reise ohne Ankunft. Wir gleichen Kindern, die den Weg nach Hause nicht wissen. Wenn wir kein großes Ziel haben, ist unser Leben immer von Sinnlosigkeit bedroht. Dann müssen wir eines Tages, wenn wir nur noch den Tod vor Augen haben, in ein dunkles, unheimliches Nichts blicken. Atheismus ist das Nirwana der Seele, weil er kein Ziel kennt. Der Philosoph Martin Heidegger (1889-1976) schrieb am Ende seines Lebens: „Nur Gott kann uns noch retten. Wenn Gott als der übersinnliche Grund und das Ziel aller Wirklichkeit tot ist, dann bleibt nichts mehr, woran der Mensch sich halten und wonach er sich richten kann. Der Nihilismus, der unheimlichste aller Gäste, steht vor der Tür.” .. Wir verlieren uns in einer dumpfen Diesseitigkeit. Unsere Wesensbestimmung kommt eben nicht in diesem Leben zur letztgültigen Bestimmung. Das ist eine fundamentale Erkenntnis der menschlichen Geistesentwicklung. Der Mensch findet das Ziel und die Erfüllung seines Daseins eben nicht nur in diesem Leben. In allen menschlichen Kulturen finden wir diesen Gedanken. Nur der Materialismus der Moderne reduziert den Menschen und seine Bestimmung auf seine irdische Existenz. Der Mathematiker und Literatur- Nobelpreisträger Bertrand Russell sagt: “ Solange man nicht annimmt, dass es einen Gott gibt, bleibt die Frage nach dem Ziel des Lebens sinnlos.“ Ein letztlich zielloses Leben aber ist keine gute Nachricht. Müssen wir dann nicht alles aus dem bisschen Leben herausholen? Versuchen wir dann nicht, alles mitzunehmen, was sich uns bietet, und ordnen unsere Moral dem Ziel des Lebensgenusses unter? Ist dann nicht eine unersättliche Lebensgier mit schrecklichen Folgen unser ständiger Begleiter?
Das säkulare Weltbild ist unmoralisch. Wenn es keinen Gott gibt, dann würde am Ende das Böse triumphieren. Es gäbe keine letzte Rechenschaft, die der Mensch für die Früchte seines Lebens vor einem Gott ablegen müsste. Die Ausbeuter und Herrscher, die Todes- und Verderbensbringer der Geschichte, die Hitlers und Stalins dieser Welt würden am Ende recht behalten. Es gäbe keinen ewigen Richter, der sie mit den Früchten ihres Lebens konfrontiert und sie das Verderben ernten lässt, das sie gesät haben. Es würden die am Ende recht behalten, die lebten, weil andere krepierten; die sich bereicherten, weil andere Mangel litten; die im Luxus schwelgten, weil andere im Elend schmachteten; die sich ihre fetten Bäuche voll schlugen, weil andere hungerten. Das Unrecht dieser Welt würde vergeblich zum Himmel schreien, denn kein Gott würde es hören und richten. Das Böse stünde am Ende als Sieger da. Menschen wie Sophie Scholl oder Dietrich Bonhoeffer, die für das Gute gestorben sind, wären die großen Dummköpfe und Verlierer der Geschichte. Dass es keinen Gott gibt, der das Böse richtet, ist keine gute Nachricht. Atheismus bedeutet die ins Unendliche verlängerte Ungerechtigkeit.
Wenn es keinen Gott gibt, dann wäre der Mensch völlig auf sich selbst gestellt in einem kalten und sinnlosen Universum. Es wäre den Abgründen in sich und der Bosheit dieser Welt hilflos ausgeliefert. Es gäbe keinen Gott, der die Herzensschreie von Menschen erhört. Niemand spräche uns zu: „Du lebst, weil ich dich will! Du bist da, weil ich dich liebe!“ Wir wären nichts weiter als Produkte eines paranoiden Zufalls, in ein kaltes, sinnloses Leben geworfen, verurteilt, um uns selbst zu kreisen, um unsere kleine Ego-Welt. Das Leben wäre eine belangloser Kreislauf von Bedürfnisbefriedigung. Ohne Gott gibt es keine Antwort auf die Fragen, woher ich komme, wozu ich da bin und wohin ich gehe. Das Herz friert und die Seele dürstet. Da ist keine Liebe, die uns Menschen ins Leben rief, die uns begleitet und uns ein Ziel setzt. Das Leben wäre ein Tanz auf der Falltür zum Nichts. Der Mensch hätte nichts zu hoffen, außer das, was er unmittelbar vor Augen hat. Atheismus ist die Falltür ins Nichts. Das ist keine gute Nachricht. Alexander Garth