Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind. (Paul Claudel)

Zu den Hofdamen des Königs gehörte auch ein Fräulein von Stein. Sie war als entschiedene Christin bekannt und stand beim König wegen ihrer Bildung in hoher Gunst. Eines Tages war der König in recht ausgelassener Laune und begann bei Tisch zu witzeln und zu spötteln.
„Steiny“, so nannte er Fräulein von Stein scherzhaft, „was sagen Sie dazu?“ – Fräulein von Stein schwieg. Der König fragte nochmals, aber sie schwieg noch immer. Die Situation war gespannt. Da fragte der König zum dritten Mal und fügte hinzu:
„Ich denke doch, dass ich ein Mann bin, der einer Antwort wert ist.“ Fräulein von Stein blickte ihn an und antwortete ernst: „Gottes Wort sagt: ‚Den Spöttern sind Strafen bereitet.‘“
Der König sprang auf und schritt erregt im Saal auf und ab. Das Mahl war unterbrochen. Die Gäste wagten kaum zu atmen. Endlich winkte der König einen Diener heran und erteilte ihm flüsternd einen Auftrag. Der Diener verließ den Saal. Nach kurzer Zeit kam er zurück – in den Händen ein Etui mit einer kostbaren Kette. Der König überreichte sie Fräulein von Stein mit den Worten: „Steiny, Sie haben mir heute etwas gesagt, was mir noch niemand zu sagen gewagt hat. Damit Sie aber sehen, dass ich zu würdigen weiß, wenn jemand seinen himmlischen König höher stellt als seinen irdischen, so nehmen Sie diese Kette und
tragen Sie dieselbe in Erinnerung an diese Stunde. Und sollte sich in Ihrem Leben ein ähnlicher Vorfall wiederholen, so bekennen Sie Ihren Herrn mit demselben Mut, wie Sie das heute getan haben!“ König Wilhelms IV. von England und Hannover „Der Herr ist nahe“