Eine Raupe.

 

Ein Geschäftsmann hatte es zu ansehnlichen Erfolgen gebracht und war stolz darauf.
Eines Morgens ging er zwischen den Blumenbeeten seines Gartens umher. Da beobachtete er eine Raupe, die mit großer Mühe einen Stock hinaufzukriechen suchte, derneben einer Rose stand. Die Anstrengungen des kleinen Tieres fesselten den Beschauer, und er wollte zusehen, ob die Raupe wirklich die Spitze des Stabes erreichen würde.
Dabei kamen ihm die Gedanken: Ja, so hast du dich auch einmal quälen müssen, bis du in die Höhe kamst. So musstest du arbeiten, um dein Geschäft auf den jetzigen Stand zu bringen.
Aber jetzt ist es geglückt, jetzt bist du oben!
Und was machte die Raupe?
Richtig, da kam das Tierchen oben an. Doch es drehte sich wieder um und – kroch zurück.
Denn da oben war kein einziges grünes Blatt zu finden, es war ja nur ein trockener Stab!
Dieses einfache Erlebnis beeindruckte den Mann. Er frage sich, was er denn eigentlich erreicht hatte. Auch er war emporgeklettert in einem harten Leben, in der Hoffnung, eine angesehene Stellung zu erreichen. Aber war er nicht enttäuscht? Was hatte er gefunden? Hatte er mit seinem Geld und Gut inneren Frieden erkaufen können? Jetzt war der Höhepunkt seines Lebens überschritten, und er wusste, es ging schnell abwärts. Seine Seele war aufs Tiefste getroffen. Es wurde ihm völlig klar: Er musste etwas anderes haben – etwas, dessen Wert über diese Zeit hinausgeht.
Dieser Tag wurde zum Wendepunkt in seinem Leben – durch eine Raupe.
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und seine Seele einbüßt?“
Markus 8,36
(aus Folgemirnach)