Fastnacht, Fasching, Karneval: Die Christen und die Narren.

Jetzt wird es mal wieder hoch hergehen. Von Weiberfastnacht bis zum Anbruch des Aschermittwochs wird getanzt, gelacht, getrunken und die sexuelle Freizügigkeit ausgelebt. Wunderbar, dass es Fasching und Karneval, die „Fünfte Jahreszeit“ noch gibt! Oder?
Wenn man einmal nachforscht, was Karneval – so heißt es im Rheinland, in Süddeutschland und Österreich nennt man die närrische Zeit Fasching – für eine Bedeutung hat und wo dieser „Brauch“ herkommt, dann staunt man, zumindest auf den ersten Blick: Ihm wird auch eine religiöse Bedeutung zugesprochen. Aber wir haben uns daran gewöhnt, dass bestimmte heidnische Bräuche in christliche Festzeiten umgeformt wurden (beispielsweise Weihnachten) und umgekehrt.

Die Fastnacht ist der „Vorabend der Fastenzeit“. Eigentlich jedoch hat dieses Wort mit „fasen“ zu tun, und das ist ein altes Wort für „närrisch sein“. Viel später sprach man dann von Karneval. „Carne vale“ kommt aus dem Mittellateinischen und heißt: Fleisch, lebe wohl. Und das Ausleben des „Fleisches“ kann man in der Karnevalszeit wirklich erleben.

Ein „heiliges“ Karneval?

Es gibt jedoch auch noch einen anderen „Vorfahren“ des Karneval. Schon zur Römerzeit wurde am Jahresende der Gott Saturn gefeiert. Während der „Saturnalien“ wurden die Sklaven von den Freien bedient. Zu Ehren der Göttin Isis wurde dann ein Schiffswagen durch die Straßen gezogen und geschaukelt. Wahrscheinlich leitet sich (auch) von diesem „Carrus navalis“ (schwimmender Wagen) das Wort Karneval ab. Später machte man aus dem heidnischen Kult ein christliches Fest.

Und dieses fiel in die Mitte der nach dem Ende der Weihnachtszeit begonnenen strengen Fasten- und Bußzeit. Am Sonntag vor dem Rosenmontag – dem „Laetare“, durfte man fröhlich feiern. Aus dem Fest der Winteraustreibung wurde der „Vastavent“ (wohl von dem kölschen Wort „Fastelovend“ abgeleitet). Auch damals galt schon: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Das ausgelassene „Mommen und Trommen“ machte sogar vor den Klöstern und Stiften nicht halt. Mönche und Nonnen feierten aber nicht erst am Sonntag oder Montag, sondern bereits an Weiberfastnacht. Man stelle sich vor: Zur „Pfaffenfastnacht“ wählte man sogar einen Narrenbischof!

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Der Fasching hat als „Fest der verkehrten Welt“ eine wichtige Stellung im christlichen Kalender 1. Er ist direkt mit dem Aschermittwoch und der vorhergehenden und nachfolgenden Fastenzeit verbunden, ohne die Fasching gar nicht denkbar wäre. Die eigentliche Fastenzeit beginnt nach der Weihnachtszeit und endet mit der Osterzeit.

Ein christliches Karneval?

Das närrische Treiben beruft sich nachweislich auf das Zweistaatenmodell des Kirchenvaters Augustinus berufen: Auf der einen Seite sprach man vom „Reich Gottes“, auf der anderen Seite vom „Reich Satans“. In einer kurzen Zeit – nämlich beim Karneval – kann das vergängliche Reich Satans sich in aller Flüchtigkeit, Farbigkeit, mit drastischer Übertreibung und Narrenprunk entfalten. Und die katholische Kirche scheint eine Art Erholung durch Ausschweifung gewollt oder zumindest gestattet zu haben, damit die Christen im Anschluss um so williger das Fasten wieder übernehmen. Vor Beginn der 40tägigen österlichen Bußzeit am Aschermittwoch haben die Christen die letzten Tage noch einmal richtig gut gegessen, getrunken, getanzt und gefeiert, sich von allen Einengungen befreit, um sich wieder neu für kirchliche Zwänge motivieren zu können.

Der Aschermittwoch hat seinen Namen übrigens dadurch erhalten, dass Asche der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres an diesem Aschermittwoch geweiht und den „Gläubigen“ vom Priester auf die Stirn oder den Scheitel gestreut wurden. Dabei soll der Mensch daran erinnert werden, dass er aus Staub gebildet wurde und nach seinem Tod wieder zu Staub wird. Am Aschermittwoch wurde nach der Volksüberlieferung zudem der Teufel wegen seiner Verstöße gegen die göttliche Ordnung aus dem Himmel geworfen. Daher wohl auch die Festivitäten an den Tagen vor dem Mittwoch, wodurch der Teufel gewissermaßen ausgetrieben werden sollte.

Was sagt die Bibel zu Karneval?

Soweit ein paar Informationen zum Karneval. Für Christen stellt sich nunmehr die Frage: Wie gehen wir mit Fasching um? Hat die Bibel zu diesem Thema etwas zu sagen?

Dabei wollen wir an dieser Stelle nicht vorformulieren, was Eltern ihren Kindern oder deren Lehrern sagen sollen, wenn diese in der Schule oder im Kindergarten mit Karneval konfrontiert werden. Aber wenn wir uns Gedanken zu diesem Thema gemacht haben, werden wir auch Antworten bereit haben und werden nicht Gefahr laufen, z.B. mit einer unbegründeten Boykotthaltung Lehrer zu verprellen. Wir sollten in Weisheit wandeln, gerade „gegenüber denen, die draußen sind“ (Kolosser 4,5).

Und wie stehst du zu Karneval?

1. Die Bibel spricht selbstverständlich nicht ausdrücklich von „Karneval“ oder „Fastnacht“. Die Bibel ist eben kein Gesetzbuch, bei dem wir den Buchstaben K oder F einfach einmal nachschlagen können. Gott zeigt uns in der Bibel vielmehr Grundsätze, die wir auf unseren Lebenswandel anwenden sollen. Unser Gewissen soll in das Licht des Wortes Gottes gestellt werden, damit wir Entscheidung für Ihn fällen, ohne diese aus gesetzlichem Gehorsam zu „übernehmen“.

2. Die Karnevalszeit fällt in die Mitte der Fastenzeit. Und zum Fasten sagt die Schrift etwas: vor allem im Alten Testament, in den Evangelien und der Apostelgeschichte. Warum betone ich das? Weil wir in den Briefen des Neuen Testamentes nicht eine einzige Ermahnung zum Fasten finden, lediglich zwei Erwähnungen, dass Paulus gefastet hat. Das macht deutlich, dass das „buchstäbliche“ Fasten in unserer heutigen Zeit nicht mehr die Bedeutung haben kann, die es in anderen Zeiten einmal hatte.

Paulus hat gefastet (2. Korinther 6,5; 11,27). Und in der Apostelgeschichte lesen wir ebenfalls vom Fasten (Apg 10,30; 13,2; 14,23; 27,9). Fasten wird auch in Verbindung mit dem Gebet erwähnt („Diese Art aber fährt nicht aus als nur durch Gebet und Fasten“, Matthäus 17,21). Das weist darauf hin, dass zu einem ernstlichen Gebet das Verzichten auf Genüsse des sonstigen Lebens passt.

An diesen Stellen kann man sehen, dass schon der Rahmen der heutigen Faschingszeit, das vorgeschriebene Fasten, durchaus keine biblische Vorschrift für Christen ist. Damit sage ich nicht, dass man heute nicht fasten kann, um in besonderer Weise einen Gebetsgegenstand intensiv vor Gott zu bringen. Aber es gibt kein „christliches Fasten“ – Gott will vielmehr, dass wir grundsätzlich auf jede Last und jeden Genuss verzichten, die uns im christlichen Wettlauf behindern: „Lasst auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus“ (Hebräer 12,1).

3. Wir finden in Verbindung mit Fasching ausgelassene und hemmungslose Freudenfeste, begleitet durch eine Geist und Ohren betäubende Musik mit beherrschenden Rhythmen. Alkohol, heute häufig auch Drogen und übermäßige Genusssucht sind hier nur Beispiele. Es wird wohl jedem Christen klar sein, dass das nichts mit der christlichen Freude zu tun hat, die wir genießen dürfen. Petrus schreibt in seinem zweiten Brief: „Die die Schwelgerei bei Tage für Vergnügen erachten – Flecken und Schandflecke, die in ihren eigenen Betrügerein schwelgen und Festessen mit euch halten; die Augen voll Ehebruch haben und von der Sünde nicht ablassen, wobei sie unbefestigte Seelen anlocken; die ein Herz haben, in Habsucht geübt, Kinder des Fluches“ (Kapitel 2,13-14).

Und der Enkelsohn des großen Königs Nebukadnezar, Belsazar, sollte uns in Daniel 5 eine große Warnung sein. Für ihn war das ausgelassene Fest die letzte Mahlzeit in seinem Leben – nun tritt er vor Gott, dem er Rechenschaft schuldig ist für sein Leben.!

4. Übrigens ist solche Schwelgerei häufig auch mit dem Lästern göttlicher Personen verbunden. Das war bei Belsazar so (Daniel 5,4). Und Judas macht das in seinem Brief ebenfalls sehr deutlich: „Doch ebenso beflecken auch diese Träumer das Fleisch und verachten die Herrschaft und lästern Herrlichkeiten… Diese aber lästern, was sie nicht kennen; was irgend sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich… Diese sind die Flecken bei euren Liebesmahlen, indem sie ohne Furcht Festessen mit euch halten und sich selbst weiden“ (Verse 8-12).

Ist es nicht wahr, dass die Beschreibung dieser Menschen als Tiere gerade in der Faschingszeit besser nicht sein könnte? Damit spiele ich nicht nur auf die Verkleidungsvarianten an. Und wie viel wird in den Faschingsreden auch über göttliche Personen gelästert. Damit kann ein Christ nichts zu tun haben!

5. In 2. Petrus 3 haben wir schon gesehen, dass von Ehebruch die Rede ist. Es gibt wohl kaum eine Zeit, in der Ehen und Beziehungen so sehr in Gefahr stehen wie beim Karneval. Durch die Verkleidung kann man den Gegenüber nicht sehen – und ist frei, mit demjenigen zu tanzen, mit dem man will. Und nicht selten landen dann zwei wildfremde Menschen miteinander im Bett. Vielleicht nur für eine Nacht, vielleicht auch für eine längere Zeit.

Die Bibel hat dazu eine klare Sprache: „Den Feigen aber und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Hurern [hierin ist der „allgemeine“ Ehebruch eingeschlossen] und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern – ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Offenbarung 21,8). Auch das macht klar, dass sich ein Christ bei Karnevalfeiern nicht wohl fühlen und auch nicht teilnehmen kann. Sonst kann es passieren, dass du an solchem sündigen Treiben Gefallen findest und selbst in Sünde fällst.

6. Bei dem letzten Punkt ist schon die Verkleidung zur Sprache gekommen. Auch in der Bibel finden wir Menschen, die sich verkleidet haben. Und man kann nicht sagen, dass es ein positives Beispiel darunter gäbe. Saul verkleidete sich, als er zur Wahrsagerin ging – und wurde entdeckt (1. Samuel 28). Tamar war die Schwiegertochter von Juda – aber sie verkleidete sich als eine Hure (1. Mose 38). War es richtig, dass Jakob sich verkleidete, um Esau zu spielen (1. Mose 27)? Und wie war es mit Ahab und Josia, die sich im Krieg verkleideten (1. Könige 22; 2. Chronika 35)? Selbst der Teufel „verkleidet“ sich und kommt als Engel des Lichts daher (2. Korinther 11,14). Und auch seine Nachfolger, falsche Propheten, kommen in Schafspelzen daher (Matthäus 7,15).

Zudem werden gerade durch die karnevalistischen Verkleidungen manche Personen und Kräfte bedenklich verharmlost (Teufel, Hexen). Ob ein Christ nach Beschäftigung mit diesen Beispielen noch an solchen Verkleidungen mitwirken kann? Wenn man sich verkleidet, dann will man eine Person darstellen, die man in Wirklichkeit nicht ist. Das haben wir als Kinder sicher alle das ein oder andere Mal gerne getan. Hängt mit diesem Verkleiden aber nicht häufig die Sehnsucht zusammen, dass ich gerne jemand anderes wäre, bestimmte Eigenschaften gerne hätte, die der Herr mir nicht verliehen hat?

7. Schließlich möchte ich noch die sogenannte „Altweiberfastnacht“ ansprechen. An diesem speziellen Donnerstag haben die Frauen das Sagen – und können sich der ganzen Autorität der Männer entledigen. Letztlich ist ja der ganze Karneval ein Abstreifen von sonstigen Normen und Gesetzmäßigkeiten. Jeder kann tun und lassen, was er will. Er kann seine persönliche „Freiheit“ ausleben (und merkt nicht, dass es letztlich nichts anderes ist als Gefangenschaft durch den Teufel).

www.bibelpraxis.de/index.php?article.1451