“Schwärzester Faschings-Dienstag”. Zugunglück in Rosenheim. Und wieder die Frage nach dem Leid.

„Frage bezieht sich ja auf die Frage, wie Gottes Existenz mit dem vielen Leid und den vielen Ungerechtigkeiten in der Welt zu vereinbaren ist. Meine Gegenfrage hierzu wäre zunächst einmal: Warum gehen wir eigentlich davon aus, dass Leben auf der Erde leidlos sein sollte? Die Frage impliziert ja, dass leidvolle Situationen eigentlich gar nicht zum Leben dazugehören (sollten). Das wäre natürlich auch aus meiner Sicht sehr reizvoll, aber wer hat uns das je versprochen? „Na Gott,“ erwidern Sie nun vielleicht, „Gott hat es versprochen. Vielleicht nicht direkt, aber zumindest könnte man vom „lieben Gott“ ja erwarten, dass er sich um seine Geschöpfe kümmert und darauf achtet, dass ihnen nichts Schlimmes passiert.“

So sehr ich diesen Einwand auch verstehe, wäre es aber gelogen zu sagen, dass Gott uns zugesagt hat, dass das Leben leidfrei sein wird. Wir hätten das sicherlich gerne, mir geht es da nicht anders. Aber zumindest ich habe niemals ein Schreiben gesehen, indem mir (weder von Gott noch sonst wem anders) ein schmerzfreies Leben zugesichert wurde. Christen sagen ja: Der Hautzweck des Lebens ist nicht Glück, was sich z.B. in einem leidfreien Leben manifestiert, sondern die Erkenntnis von Gott. C.S. Lewis, der berühmte irische Schriftsteller und Cambridge-Professor der Literatur, drückt das wie folgt aus:

„Das Problem, menschliches Leiden mit der Existenz eines liebenden Gottes in Einklang zu bringen, ist nur solange unlösbar, als wir dem Wort «Liebe» eine triviale Bedeutung verbinden und die Welt so ansehen, als sei der Mensch ihr Mittelpunkt. Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt. Gott existiert nicht um des Menschen willen.“

Das liebliche Bild, dass wir in Gott eine Art Großvater haben, der froh ist, seine lieben Kinderchen verwöhnen zu können und sonst gar nicht wüsste, wozu er sonst eigentlich da ist – das Bild vom netten Mann, der teilnahmslos auf einer Wolke thronend hin und wieder sein Füllhorn ausschüttet, das stimmt nicht. Das Problem ist meiner Ansicht nach also gar nicht mal die Existenz Gottes selbst, sondern unser zumeist zu simpel und einfach gestricktes Gottesbild.Damit ist die Diskussion um „Gott & Leid“ freilich noch nicht abgeschlossen, aber trotzdem halte ich diese Gedanken für einen ernst gemeinten Denkvorschlag zum Thema.“ www.mitdenkend.de/175/