Bei ihrem Konzert in Brisbane entblößte Popstar Madonna die Brust eines noch minderjährigen Mädchens.

Alk und Drogen bleiben halt, vor allem bei Dauerkonsum, nicht ohne Folgen für Hirn und Herz. Aber nichts von dem was sie bisher in all den Jahren angestellt hat, war jemals zufällig oder nicht durchdacht. Alles verfolgte immer seinen dreckigen Zweck. Aktuell leidet ihr dominantes Mutterherz unter der Zurückweisung des geliebten Kindes. Sie hat ihre Kinder ja von einer Nanny aufziehen lassen. Diese aktuelle PR-Aktion ist nur eine einzige, öffentliche, emotionale Erpressung. „any promotion is good promotion.“ Oder sie macht gar ein bisschen auf Miley C. mit ihren 57 Jahren. Diese Pop-Ikone demontiert sich mehr und mehr selbst. Eine alte Tante, die nicht alt werden will, dabei ist ihre Karriere schon seit fast zehn Jahren durch…nur sie merkt es selbst nicht. Und dann flippt sie konstant aus und hinterfrägt sich nicht, warum ihr Sohn nicht bei ihr leben möchte.

Der Verlust von Scham ist das erste Zeichen von Schwachsinn.
Sigmund Freud

Schamlosigkeit ist das von Politik wie Medien verordnete Normalverhalten. Natürlich, es gab Zeiten, in denen Schindluder getrieben wurde mit der Tugend der Scham, Zeiten, in denen ein Moralregime Schamhaftigkeit einklagte und Unterordnung meinte. Und es gibt heute Kulturen, die zwischen Mann und Frau eine so scharfe Grenze ziehen, dass die eine sich verhüllen und der andere befehlen muss. In den westlichen Gesellschaften aber regiert die Schamlosigkeit ohne Rücksicht auf Verluste – und die Verluste können enorm sein.
Was geht verloren, wenn das Nackte und das Obszöne in der Öffentlichkeit sich von selbst verstehen und Takt, Dezenz, Stil und Anmut zu Privatvergnügungen für Nostalgiker herabsinken? Scham ist Frucht des Sündenfalls und insofern eine anthropologische Konstante. Scham resultiert aber auch aus der menschenfreundlichen Einsicht, dass wir nicht allein sind. Dass da immer jemand ist, in dessen Augen wir uns spiegeln. Wer sich schämt, dem ist es nicht egal, welches Bild er durch sein Tun und Reden erzeugt. In der Scham erscheint uns blitzhaft, wer wir sind und wer wir zu sein hoffen – so der Philosoph Bernard Williams (1929–2003). Der Schamlose kennt nur sich. Das Regiment der Schamlosen ist eine Diktatur des Narzissmus. Die Fernsehfratzen und Plakatgrimassen sind Vorboten einer kulturlosen Welt, denn die öffentliche „Besessenheit von der Intimität ist das Kennzeichen einer unzivilisierten Gesellschaft“ (der US-Soziologe Richard Sennett). Wer ihr wehren will, muss die Kunst der Scham wieder erlernen. Sie beginnt dort, wo wir von uns absehen und den anderen Menschen in den Blick nehmen. Keine Kultur kann sein, wo die Scham verschwand. (Alexander Kissler;  Idea.de)