Generation Beziehungsunfähig.


Erst ging es um die Generation Y, dann um die Generation Z. Soziologen und Marketingstrategen haben versucht herauszubekommen, wie man die junge Generation beschreiben kann. Jetzt nennt der Berliner Autor Michael Nast die 17-45-Jährigen in seinem neuesten Buch die „Generation Beziehungsunfähig“.

Eigentlich hatte er nicht vor, eine genaue Generation zu definieren. Es ging ihm vielmehr darum, ein Lebensgefühl zu beschreiben von Menschen, die in Großstädten leben, vielleicht in den Medien arbeiten. Die Prototypen kann man in den Cafés der Hipster-Viertel beobachten. Männer mit gepflegten Bärten und Nerdbrillen sitzen bei frischem Pfefferminztee oder einer Bionade und tun so, als wären sie an ihrem Gesprächspartner interessiert, während ihre Gedanken und Blicke sich zunehmend im Paralleluniversum der sozialen Netzwerke verlieren. Nicht einmal in Gesprächen kann man Verbindlichkeit zeigen und sich auf einen Zuhörer festlegen, auf Facebook steht einem schließlich die ganze Welt offen.

Es wurden mehrere Gründe für diese Entwicklung zur Generation von Dauersingles, Selbstverliebten und ewig Unentschlossenen genannt. Die technologische Entwicklung, die uns Smartphones und soziale Medien ermöglicht hat, ist sicher nur Beschleuniger einer langfristigen Entwicklung zum radikalen Individualismus. Wenn man die größtmögliche persönliche Freiheit möchte, erscheint jede Entscheidung als Einschränkung der Freiheit. Entscheidet man sich dafür, eine Frau zu heiraten, entscheidet man sich gleichzeitig gegen alle anderen, auch wenn einige Vordenker der „Ehe für alle“ daran arbeiten, auch das zu ändern.

Eine andere Idee, die unseren Lebensstil maßgeblich beeinflusst, ist ein tief sitzender Perfektionismus. Ein Machbarkeitswahn gaukelt dieser Generation vor, man könne sich seine eigene, ideale Welt konstruieren. Werden diese Ideale nicht erreicht, gibt man schnell auf oder fängt etwas Neues an, beobachtet Michael Nast. Dem Autor zu Folge ist dies oft nicht mehr als eine Ausrede für eine Generation, die vor allem Interesse an Spaß und Selbstverwirklichung hat und im Beruf kaum belastbar ist.

In einem Interview im Cicero sagt uns der 40-Jährige, wie sich das auf seine persönlichen Beziehungen auswirkt: „Das Ego steht an erster Stelle. Man ist auf der Suche nach dem perfekten Partner und der perfekten Beziehung, die es es ja so nicht gibt. Man ist auf seinem Weg und will nicht durch eventuelle Beziehungsprobleme belastet oder gestört werden. Die Leute sind auch nicht bereit, sich verletzen zu lassen, aber beziehungsfähig zu sein, heißt auch leidensfähig zu sein. Wenn in einer Beziehung zwei Egos sozusagen parallel nebeneinander laufen, also eigentlich keine gemeinsame Entwicklung geschieht, ist das ja auf Dauer zum Scheitern verurteilt. […] Ich bin der Prototyp dieser Generation. Für mich hat meine Arbeit einen hohen Stellenwert. Mir war immer wichtig, mich selbst zu verwirklichen. Ich fühle mich immer noch nicht alt genug, eine eigene Familie zu gründen, und ich denke zu sehr in Idealbildern, ob es um meine Partnerin geht, meine Arbeit oder das Leben, das ich mir vorstelle.“

Hat nun der christliche Glaube eine Antwort darauf, die über das übliche Bashing und eine Dämonisierung der jetzigen Generation hinausgeht?

Zunächst einmal muss man feststellen: Die Bibel hat nichts gegen Singles. Anders als in vielen Kulturen üblich, werden Alleinstehende nicht generell verdächtigt, feige, verantwortungslos oder unreif zu sein. Beziehungsglück ist nicht der Sinn des Lebens. Der Apostel Paulus schreibt: „Eins ist sicher, Geschwister: Es geht immer schneller dem Ende zu. Deshalb darf es in der Zeit, die uns noch bleibt, beim Verheirateten nicht die Ehe sein, die sein Leben bestimmt; beim Traurigen darf es nicht die Traurigkeit sein und beim Fröhlichen nicht die Freude. Wer etwas kauft, soll damit so umgehen, als würde es ihm nicht gehören, und wer von den Dingen dieser Welt Gebrauch macht, darf sich nicht von ihnen gefangen nehmen lassen. Denn die Welt in ihrer jetzigen Gestalt ist dem Untergang geweiht.“ (1. Korinther 7,29-31)

Im ersten Moment mag dies trübsinnig erscheinen. In Wirklichkeit sind diese Worte enorm befreiend. Der moderne Mensch ist ein Gefangener seiner Träume. Weil das Leben hier und jetzt alles ist und es keine Hoffnung darüber hinaus gibt, muss er den Himmel im Hier und Jetzt konstruieren. Das führt zu idealen Traumschlössern, die nie erreicht werden. Das ist der Grund für das Zerbrechen vieler Beziehungen. Viele haben deswegen ganz aufgehört, offen für Beziehungen zu sein und ziehen sich resigniert in ihr sicheres Single-Dasein zurück.

Die Bibel ist völlig anders. Sie macht uns Hoffnung, verbindliche Beziehungen einzugehen und hört nicht auf zu betonen, wie gut es ist, wenn Menschen Gemeinschaft haben und sich lieben, gerade angesichts ihrer Vergänglichkeit und Begrenztheit. Das liegt letztendlich in Gottes Charakter begründet. Der dreieinige Gott „ist Liebe“, sagt der Apostel Johannes. Das perfekte Leben ist nicht durch Selbstoptimierung zu erreichen, auch nicht im idealen Partner. Es muss außerhalb unserer Welt liegen. Johannes schrieb auf, wie Jesus Christus sich selbst „das Leben“ nannte, das von Gott, dem Vater gekommen ist. Er hat ihn für uns gegeben und mit seinem Tod am Kreuz wurde offenbar, dass Gott Menschen annimmt, die auf das vertrauen, was Jesus getan hat. /hamburgmuenchner.wordpre…ation-beziehungsunfaehig/