Im Roman „Unterwerfung“ des französischen Schriftstellers Houellebecq übernimmt eine islamische Partei die Macht in Frankreich.

In der Pegidastadt Dresden kommt dieses Stück auf die Bühne. Das Staatsschauspiel Dresden hat das Stück inszeniert. Ein Bericht von (Idea.de):

Der Schrecken aller Pegida-Anhänger ist wahr geworden: An der Kuppel der (evangelischen) Dresdner Frauenkirche prangt der islamische Halbmond. Zumindest auf dem Programmheft zum Kammerspiel „Unterwerfung“, das im Staatsschauspiel Dresden aufgeführt wird. Literarisch ist der Roman kein Meisterwerk, dafür ist die Handlung umso schillernder: Frankreich steht vor dem Bürgerkrieg. Um den Siegeszug der immer stärker werdenden rechtspopulistischen Front National abzuwenden, paktieren die Sozialisten mit der gemäßigt agierenden „Bruderschaft der Muslime“ und bringen sie an die Macht. Der Islam kommt samtfüßig daher, er verändert die Gesellschaft schleichend, aber nachhaltig. Die religionslose Erziehung an den Schulen wird durch den Islam ersetzt, immer mehr Frauen tragen Burka. Die neue Regierung führt das islamische Recht (die Scharia) und die Polygamie ein. Der Islam breitet sich nicht nur in Frankreich aus, sondern in ganz Europa.
Bis heute streiten sich die Ausleger, ob das nun Satire ist oder Utopie, Verschwörungstheorie oder prophetische Prognose – idealer Stoff also fürs Theater. Der 25 Jahre alte Regisseur Malte C. Lachmann ist Katholik. Er widerstand der Versuchung, auf die aktuellen Auseinandersetzungen in Dresden einzugehen und hielt sich eng an die Vorlage des Romans. Dabei legt er dessen stets mitlaufenden galligen Humor frei. Denn Houellebecq ist ein Schelm, der mit Entsetzen Scherz treibt, unkorrekt, widerborstig, bürgerschreckend. „Unterwerfung“ ist der Roman der Stunde, Pflichtprogramm für alle am Kampf der Kulturen Interessierten (in Dresden sind für den April bereits alle Vorstellungen ausverkauft).
Im Zentrum von „Unterwerfung“ steht François (Christian Erdmann), ein Literaturprofessor von trauriger Gestalt, Sinnbild eines dekadenten, orientierungslosen Westens, zauselig das Haar, stoppelig der Bart, zerknautscht das Hemd, ein sexbesessener Egomane, liebes- und beziehungsunfähig, die Frauen wechselnd wie andere ihre Unterhose. Seine Abende verbringt er auf Pornoseiten im Internet. Seine jüdische Freundin Myriam flieht nach Israel aus Angst, dass den Juden in Frankreich etwas Schlimmes passieren wird. François lässt sie ziehen, unwillig, um sie zu kämpfen.
François ist Atheist und findet den christlichen Glauben so befremdlich wie langweilig. Als die Muslime die Macht übernehmen, fährt er ins Kloster – ein letzter Versuch, um den christlichen Gott zu finden. Doch François will einfach nicht fromm werden.
Das Stück hat Tempo, wird unterlegt mit Videoeinspielungen und einem melancholischen Soundtrack, der wie ein Abgesang auf Europa klingt. Der Atheismus hat dem geburtenfreudigen Islam nichts entgegenzusetzen, keine Werte, keine Haltung. Und auch das Christentum hat abgewirtschaftet. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verlöschen.
Der Islam präsentiert sich als Religion der Männer und der Eliten, nicht sympathisch, aber durchsetzungsstark. „Unterwerfung“ endet mit einer Predigt für den Islam, gehalten vom neuen Präsidenten der Universität, die von Saudi-Arabien finanziert wird. François unterwirft sich, angesprochen vom großzügigen Gehalt und der Möglichkeit zur Vielehe. Für den Übertritt genügt eine kurze Bekehrungsformel: „Es gibt keinen Gott, außer Gott und Mohammed ist sein Gesandter.“ Offen bleibt, ob der Übertritt aus Überzeugung oder aus Anpassung geschieht. (idea.de)