Wie Gott über uns denkt, erfahren wir an Karfreitag und Ostern in grosser Deutlichkeit.

Die NZZ zitiert den Religionssoziologen Jörg Stolz: „Moderne Gesellschaften sind funktional nicht mehr auf Religion angewiesen.“ Der Wohlfahrtsstaat garantiert materielle Sicherheit, die höhere Bildung greift die Glaubensfundamente an, der medizinische Fortschritt verschafft Heilung. Die Gesellschaft ist überzeugt, dass man den Herausforderungen mit Wissenschaft und Technik begegnet und Beten nicht viel nützt. Ähnliches ergab eine Internetumfrage unter rund 200 000 Menschen zwischen 18 und 34 Jahren, durchgeführt in zehn europäischen Ländern inklusive der Schweiz. 85 Prozent der jungen Erwachsenen sagen, sie können ohne Gott glücklich sein.
Die Wissenschaft beschreibt Religion als System von Praktiken, mit denen Menschen versuchen, Gefahr und Not zu bewältigen und zu verstehen: In der Hungersnot wird dem Wettergott geopfert; in Kriegen wird Bewahrung erhofft, bei Krankheit und Tod wird etwas Grösseres um Heilung und Erlösung angefleht. Nachdem zumindest hierzulande der Hunger technisch-industriell beseitigt ist und die Regierungen demokratisch austariert sind, bleibt als letzte grosse Angst noch der Tod. Kindisch verschliessen wir die Augen vor ihm, wir weichen ihm aus. Öffentliche Abdankungen werden seltener. Aber der Tod hat Zeit; er wartet.
Nein, wir brauchen keine Religion. Nicht, wenn wir darunter eine Praxis verstehen, die uns als Gutmenschen in himmlische Sphären hebt, während wir uns an Geld, Gurus und geheimnisvolle Kräfte binden. Wer wissen will, warum er auf diesem Planeten atmet, der muss seine Suche am anderen Ende beginnen – bei Gott, dem Schöpfer. Die Antworten auf unsere Fragen nach Not und Tod, nach Sinn und Ziel liegen bei ihm.
Wie Gott über uns denkt, erfahren wir an Karfreitag und Ostern in grosser Deutlichkeit. Nicht wir steigen zum Himmel auf. Er kommt zu uns herab! Er löst unser Schuldproblem. Er stirbt unseren Tod. Er kommt zurück ins Leben. Er besiegt den Tod. Er streckt uns seine Hand hin. Unser Schicksal trägt den Namen Jesus Christus. Der Apostel Paulus schreibt im Kolosserbrief: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (…) durch ihn und zu ihm hin ist alles geschaffen.“ Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Es geht nicht um Religion. Es geht um die Frage, die Jesus an Martha gerichtet hat: „Glaubst du das?“ Rolf Hoeneisen /www.facebook.com/rolf.hoeneisen…