Leserbrief
von: Holzhaus
17. Januar

Ein Gutmensch ist ein Mensch, der nur sich als gut ansieht und die anderen als schlecht. Wie sagte doch der Pharisäer? “Wie gut, dass ich nicht so bin wie jene.” Dabei blickte er auf die Zöllner herab. Wie sagte dagegen der Zöllner? “Gott, sei mir armem Sünder gnädig.” Wer ging hier gerechtfertigt nach Hause?

Das Wort Gutmensch ist also kein Unwort. Es beschreibt im Gegenteil eine Spezies, die mit einem Heiligenschein schrecklich an der Wirklichkeit vorbei lebt.

Antwort von ali

Stimmt, leider!
„Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres, und jener Menschenschlag, für den dieses Etikett einst ersonnen wurde, klopft sich auf die Schulter. Die einen freuen sich, dass Vokabular gebrandmarkt wurde, mit dem echte und vermeintliche Rechte die Befürworter der aktuellen Flüchtlingspolitik kritisieren. Die anderen verstehen das Wort gar als Lob. „Wir sind Gutmenschen“ twitterten beispielsweise die Grünen von ihrem offiziellen Parteiaccount. Entweder, sie haben das Wort falsch verstanden, oder ihnen ist erstmals Selbstreflexion gelungen, definiert der Duden „Gutmensch“ doch so: „[naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o.ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt“.

Menschen mit ebenfalls guter Gesinnung haben am Montag die Kampagne „Ausnahmslos“ gestartet. Unter diesem Schlagwort versicherten sich Feministinnen in Sozialen Netzwerken gegenseitig, in Deutschland habe sich dank des weißen Mannes eine „Vergewaltigungskultur“ etabliert. Und wer sich über die massenhaften sexuellen Belästigungen der Silvesternacht mehr aufrege als über jene Vergewaltigungskultur, der sei ein Rassist. Nun kennt man Gruppenbelästigungen mit über 600 Opfern innerhalb weniger Stunden bislang zwar eher vom ägyptischen Tahrir-Platz als von der Kölner Domplatte oder der Münchner Theresienwiese; aber vielleicht sind die Online-Aktivisten ja manchen Medien auf den Leim gegangen.
Polizei widerspricht feministischen Legenden

Im ZDF und in mehreren Zeitungen nämlich durfte die als „Netzfeministin“ bekannte Anne Wizorek fabulieren, beim Oktoberfest gebe es eine Dunkelziffer von 200 Vergewaltigungen. Auch die Tagesschau-Journalistin Anna-Mareike Krause fand es nach der Horror-Nacht von Köln nötig, das Oktoberfest anzuprangern. Die Münchner Polizei hat die Legende der 200 Vergewaltigungen vehement zurückgewiesen, wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, und zugleich fragt, warum denn ARD und ZDF dort nicht nachgefragt hätten. (pro)