Rockmusik als Garten Eden? Da will einer nicht Spielverderber sein

Die Rockmusik übt eine verändernde Macht aus, auf Gesellschaften wie auf einzelne Menschen. Diese Kraft sieht man gerade an einem kürzlich erschienenen Meinungsbeitrag von Alan Posener in der Welt. Der versierte Autor zahlreicher Bücher wirft bei dem Versuch, die Rock-Kultur zu erklären, mit phantasievollen Sprüchen um sich, bis er völlig den Durchblick verloren hat: Rock’n’Roll ist für Posener „die wichtigste transzendente Kraft des modernen Menschen“.

Gut klingt auch: „Wenn Religion das Opium des Volkes ist, ist der Rock’n’Roll sein Koks.“ Denn Posener bezieht in seine Betrachtung auch den nihilistischen Philosophen Friedrich Nietzsche ein, der das dionysische Zeitalter schon vorausgeahnt habe, obwohl zu seinen Lebzeiten vom Rock’n’Roll natürlich weit und breit noch nichts zu sehen war. Aber er greift auch zu religiösen Bildern. Rock sei ein „Garten Eden, in dem wir kurz vergessen, dass wir dem Tod verfallen sind“ – nicht allein das: „Wir sind alle sinnlicher, friedfertiger, glücklicher, weil uns dieses Rauschmittel zur Verfügung steht.“

Tatsächlich? Irgendwie ahnt Posener, dass Rockmusik auch vielfältige Gefahren birgt. Der konservativ gewendete Alt-Achtundsechziger, einst selbst Amateur-Rocksänger in Kreuzberger Keller-Übungsräumen, spricht vom Niedergang der Hochkultur, vom „Verschwinden der Tugend aufgeschobener Bedürfnisbefriedigung“ und der „Infantilisierung des Konsumenten“. Aber wer gegen ein so erfolgreiches Phänomen anschreibt, das ahnt Posener ebenfalls, hat davon nichts, außer dass er als Spielverderber dasteht. Und so flüchtet er sich lieber in die völlige Verwirrung.

Was aber steckt nun hinter der Rockmusik, die die gesamte westliche Gesellschaft geprägt und umgekrempelt hat? Warum wurde diese Veränderung in den 50er bis 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts plötzlich möglich? Da muss der Autor passen. Vielleicht versteht man den Gesellschaftswandel, die Rebellion einer ganzen Jugendgeneration am besten als eine Gegenbewegung. Es war wohl eine Revision der Gesellschaftsordnung bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das stellte der Musikkritiker Karl Bruckmaier – etwa gleich alt wie Posener – bereits vor mehr als 15 Jahren fest:

„Mit dem Bürger verschied seine Musik, die klassische. Zum strahlenden Licht der Atombombe ließ Amerika seine Jazzbands aufspielen, während die Musik Wagners, Liszts, Beethovens auf diesem Kontinent erklang, als Licht durch Lampenschirme aus Menschenhaut schien. Diese Verwendbarkeit durch den Antimenschen haben meine und die nachfolgenden Generationen der klassischen Musik auf einer empathischen Ebene nie verziehen. Die Gefühle, die Werte, die transzendenten Elemente dieser Musik sind für uns so korrupt und widerlich, dass sie nie die unseren sein können. So wie mancher lieber bei McDonalds den Regenwald verfrisst, als im Gourmet-Tempel mit jenen zivilisiert am Tisch zu sitzen, die ihn konkret durch ihre Entscheidungen vernichten, so war es die freie Wahl der postbürgerlichen Generation des Westens, lieber die afroamerikanische Rüpelmusik mit ihrer Heimat in Bordellen und Gangsterkneipen zu hören, als auch nur noch eine Sekunde an die Subtilität einer Beethoven-Sonate zu verschwenden.“

Das Pendel schwang, wie das auch Bruckmaier zum Ausdruck bringt, in die entgegengesetzte Richtung aus. Aber war es das wert, die Infamie der Nazizeit endlich überwunden zu haben? Dabei blieben viele Opfer am Wegesrand liegen: die Opfer verlotterter Hippie-Lebensentwürfe etwa, die emotionalen Opfer der freien Liebe und der Beziehungskatastrophen, die sie anrichtete, die konkreten Todesopfer von Drogenmissbrauch und einem zu schnellen Leben. Die Liste könnte man lange fortsetzen.

Der bekannte Drogen-Autor Philip K. Dick schrieb: „Nimm das Bargeld und pfeif’ auf die Schulden, wie Villon 1460 sagte. Aber das ist ein Fehler, wenn das Bargeld ein Penny und die Schulden ein ganzes Leben sind.“ Jeder Mensch ist verschuldet – er hat gegen Gottes Gebote verstoßen, und zwar viele Male in seinem Leben, wenn er eine ehrliche Bilanz zieht. Die Schuldenlast kann er aber ganz leicht loswerden. Gott ist gern bereit, sie ihm abzunehmen. Er hat dafür längst bezahlt – durch das Kreuz. Das ist keine flüchtige Illusion eines „Garten Eden“, wie Posener schreibt, sondern die echte Erlösung durch Jesus Christus, etwas, was der Rock’n’Roll niemals bieten kann.

AndreasA